24.11.2011 Neuenkirchen

Gruppenbild Fachgespräch Nov.2011Vilomix-Fachtagung in Neuenkirchen-Vörden

 

 

 

Neuenkirchen-Vörden – Alternativen in der Tierproduktion standen am Donnerstag im Mittelpunkt des Fachgesprächs der Deutschen Vilomix in Neuenkirchen-Vörden. Die Deutsche Vilomix ist einer der führenden Premix- und Mineralfutterhersteller und hatte zum diesjährigen Fachgespräch eingeladen, auf dem vier Experten aus Wissenschaft und Praxis aktuelle Trends in der Tierhaltung beleuchteten.

Tagungsband "Themen zur Tierernährung" veröffentlicht.

 

Sind züchterische Maßnahmen eine Perspektive im Hinblick auf die neuen Haltungsanforderungen?

Durch neue Tierhaltungsvorschriften, die unter anderem die Gruppenhaltung von Sauen im Wartestall vorschreiben und das Kupieren von Schwänzen bei Ferkeln und die Kastration ohne Betäubung untersagen, wird es für Tierhalter wichtiger, umgängliche und wenig aggressive Schweine im Stall zu haben zu der Frage, ob züchterische Maßnahmen eine Perspektive im Hinblick auf die neuen Haltungsanforderungen bieten können. Ein Gemeinschaftsprojekt der BHZP GmbH und der Universität Göttingen sollte zur Klärung dieser Frage beitragen.

Dass die Züchtung aber keine schnellen Lösungen bieten kann, daran ließ Prof. Gauly keinen Zweifel. Verhalten sei zwar vererbbar und eine Selektion auf umgängliche, verträgliche Tiere prinzipiell möglich. Schwierig sei allerdings, geeignete Merkmale zu bestimmen, anhand derer man in der Praxis rasch, sicher und kostengünstig selektieren kann – ein Muss für die Tierzucht.

Am Beispiel des Merkmals „Hautläsionen“ zeigte er, dass es durchaus plausibel scheine, anzunehmen, dass Tiere, die Verletzungen in der Körpermitte oder hinten haben, gebissen werden und dass Verletzungen im vorderen Bereich eher darauf hinweisen, dass diese Tiere selber attackieren. Zudem seien die Hautverletzungen ein Merkmal, das in der Praxis schnell und einfach zu erfassen sei. Aber: Zwischen dem Merkmal Hautläsionen und Aggression konnte die Wissenschaft nur eine geringe Korrelation ermitteln. Außerdem habe man inzwischen ermitteln können, dass aggressivere Sauen bessere Fruchtbarkeitsleistungen aufweisen, mit anderen Worten: Sie haben mehr lebend geborene Ferkel. Der so genannte Backtest, bei dem ein Ferkel auf den Rücken gedreht und die Zahl der Befreiungsversuche gemessen wird, sei zwar leicht durchzuführen, aber die Ergebnisse vom ersten Lebenstag seien mit denen vom 14ten Lebenstag nur schlecht korreliert. Und ob der Backtest überhaupt ein Maß für die Aggressivität eines Tieres sei, sei zu hinterfragen. Andere Merkmale wie das Erkundungsverhalten seien nur aufwändig zu ermitteln, und im übrigen teilweise auch von den Haltungsbedingungen abhängig – also keine guten Voraussetzung zum routinemäßigen Einsatz in der Zucht.

Auch die genomische Selektion funktioniere nicht ohne die Beschreibung von Phänotypen, mit denen man in der Praxis selektieren kann. Die Suche nach geeigneten Indikatoren müsse also weitergehen. Für Prof. Gauly von der Georg-August-Universität in Göttingen steht aber auch fest, dass hinsichtlich der Verhaltensmerkmale von Schweinen Züchter wie Tierernährer in gleicher Weise nach Lösungen suchen müssen.

Den Ebergeruch züchterisch zu bearbeiten hält Prof. Gauly momentan nicht für notwendig, denn mit der Kastration unter Betäubung stehe für die Schweinemast eine Alternative zur Verfügung. Die Züchtung auf Spätreife biete erst in fünf bis zehn Jahren eine Alternative zur Kastration, eine Zeitspanne, die ihm aufgrund dessen problematisch erscheint.
 
 

Trockenschlempe in der Geflügel- und Schweinefütterung

Claire Relandeau von der Firma Adisseo France sprach über den Einsatz von Trocken-schlempen in der Geflügel- und Schweinefütterung. Schlempen als Nebenprodukte der Brennerei fallen im Zuge der zunehmenden Bioethanolproduktion verstärkt an und können in der Fütterung als Trockenschlempen verwendet werden. Aber: Trockenschlempen können in ihrer Qualität, was Gehalt und Verfügbarkeit an Eiweiß betrifft, sehr stark variieren, erklärte Relandeau. Das liege zum einen an den Rohstoffen, die zur Ethanolproduktion verwendet werden, aber auch an dem Herstellungsprozess und letztlich auch an der Trocknung selbst, bei der eine Überhitzung zu einer verminderten Qualität führt. Je nach Hersteller sei die Qualität dieser Nebenprodukte sehr variabel. Überhitzte Chargen seien stets an ihrer vergleichsweise dunklen Färbung zu erkennen.

Bei Einsatz von Trockenschlempen empfahl die Expertin deshalb, jede Lieferung überprüfen zu lassen. Ein geeignetes Verfahren dazu sei die Analyse über NIR, wie sie die Firma Adisseo anbiete. Sowohl Geflügel als auch Schweine können die rohfaserreichen Trockenschlempen besser verwerten, wenn sie mit Enzymen versetzt werden, die den Abbau von Cellulosen fördern, so Relandeau. Ein gutes Enzymgemisch sei das Produkt Rovabio, das die Forscher der Firma Adisseo getestet haben.
 

 

Atherische Öle in der Milchviehfütterung

Ätherische Öle können beim Einsatz in der Milchviehfütterung positive Effekte zeigen, erklärte Gozewijn Janssen von der Deutschen Vilomix. Diese Effekte zeigen sich unter anderem darin, dass die Tiere bei gleichbleibender Leistung weniger Eiweißergänzung in ihrer Ration benötigen. Untersuchungen der Vilomix hätten ergeben, dass je nach Ration und Grundfutterqualität zwischen 500 und 630 Gramm Sojaprotein eingespart werden können, ohne dass die Leistung der Milchkühe gemindert werde. Die ätherischen Öle können in geeigneter Mischung das Pansenmilieu günstig beeinflussen und eiweißabbauende Organismen gezielt hemmen, wodurch weniger Ammoniak gebildet und der Kuh mehr Aminosäuren im Darm zur Verfügung stehen. Ein günstiger Effekt auf die Tiergesundheit, nämlich durch eine Entlastung der Leber, sei dadurch auch zu erwarten, so der Fütterungsfachmann. Eine schlechte Grundfutterqualität könne man aber nicht mit diesen Zusätzen ausgleichen. Für die Praxis gebe es ein standardisiertes Produkt mit dem Namen ProtiSpar. Der Einsatz empfehle sich bei Kühen in Hochleistungsphasen, also rund um die Abkalbung.

 

 

Neue Abrechnungsmaske für Mastschweine

Das optimale Mastendgewicht von Mast-schweinen hat sich durch die neuen Abrechnungsmasken der Schlachtbetriebe geändert, erklärte Dr. Friedhelm Adam von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Bei weiblichen Schweinen liege das Optimum bei einem Mastendgewicht von maximal etwa 95 bis 96 Kilogramm. Kastrierte Schweine, die fleischärmer sind, sollten etwas schwerer zur Schlachtung kommen und mit etwa 98 Kilogramm abgeliefert werden. Da das Optimum aber je nach dem, an welchen Schlachtbetrieb die Mastschweine geliefert werden, variiert, müsse in jedem Fall für jeden Betrieb das individuelle Optimum ermittelt werden.
 
 

TAGUNGSFOLGE VILOMIX-Fachgespräch am 24.11.2011


10.00 Uhr Begrüßung der Teilnehmer
          Dr. Bernhard Wesseling

10.20 Uhr Wirkung und Leistung von ätherischen Ölen in der Fütterung von
         Hochleistungskühen - Verbesserung der Proteinsynthese, reduzierte Futterkosten, 
         Schonung von Tier und Umwelt -
         J.Gozewijn M. Janssen 
         Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH

11.30 Uhr Eignung von Trockenschlempen als Futterkomponente
         - Prüfung von verdaulichen Aminosäuren und weiteren Qualitätsmerkmalen mittels NIR -
         Claire Relandeau
         Adisseo France S.A.S.
 
12.30 Uhr Mittagessen
 
14.15 Uhr Züchterische Maßnahmen am Schwein
         - Eine Perspektive für den Tierschutz und Hilfestellung für die neuen
         Haltungsanforderungen? -
         Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly
         Georg-August-Universität Göttingen
 
15.15 Uhr Erste Erfahrungen mit der neuen Abrechnungsmaske
         Dr. Friedhelm Adam
         Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster
 
Diskussionsleiter:
Dr. Edgar Schulz, Braunschweig