Tiergesundheitsmanagement - Durchfallerkrankungen bei Kälbern

 CLA Milchvieh Fruchtbarkeit
Bericht von Cora Furken
Tierärztin in Niedersachsen
 
 
Bedingt durch den Aufbau der Plazenta werden Kälber während der Trächtigkeit nicht mit Antiköpern versorgt. Eine passive Immunisierung mit Antikörpern, welche in der Biestmilch enthalten sind, ist direkt nach der Geburt zwingend erforderlich. Hierbei gibt es einige wichtige Faktoren zu beachten.
 

Vier Liter Biestmilch erforderlich

Zum Einen die Qualität der Biestmilch. Die Konzentration der Immunglobuline,
welche über 55 g/l liegen sollte, kann schnell und einfach mit Hilfe eines 
Kolostrometers überprüft werden.

Zum Anderen die Menge an Biestmilch. Innerhalb der ersten 12 Stunden nach der 
Geburt sollte das Kalb mindestens vier Liter aufgenommen haben, denn mit jeder 
Stunde wird die sogenannte „Darmschranke“ immer weniger passierbar für die Immunglobuline, die durch die Darmwand aufgenommen werden müssen. 
Gleichzeitig bilden die aufgenommenen Immunglobuline einen Schutz der Darm-
wand, indem diese von den Antikörpern eingehüllt wird.
Es gilt zu beachten, dass Kälber unbeaufsichtigt meistens nicht die Menge an Biest-
milch aufnehmen, die sie aufnehmen sollten. Mit viel Geduld sollte das Kalb zum 
Trinken angeregt und nur in den seltensten Fällen, falls es die Biestmilch nicht 
freiwillig aufnimmt, vorsichtig gedrencht werden, um eine passive Immunisierung sicherstellen zu können.
Es wäre ratsam, stets eine Reserve an hochwertigem Kolostrum aufzubewahren / einzufrieren. Sie kann zum Beispiel verwendet werden, wenn nicht ausreichend 
Biestmilch vorhanden ist oder das Muttertier erst kurz vor der Abkalbung neu in den 
Bestand gekommen ist und somit noch keine stallspezifische Immunität aufgebaut 
werden konnte.
Handelsübliche Kolostrum- oder Immunglobulinpräparate sollten nur in Notfällen 
zum Einsatz kommen, da dem Kalb durch diese deutlich weniger Immunglobuline 
zugeführt werden und auch die Spezifität der Antikörper nicht immer ausreichend ist.
 

Infektionsdruck unbedingt reduzieren

Darüber hinaus ist es wichtig, den Infektionsdruck auf das Kalb so niedrig wie 
möglich zu halten. Faktoren, die darauf einen Einfluss haben, sind zum Beispiel: 
  • der Abkalbebereich und die Unterbringung der Kälber
  • die Versorgung mit Biestmilch
  • eine Stallbelegung nach dem Rein-Raus-Prinzip mit Reinigung und Desinfektion
  • trockene und saubere Einstreu
  • sowie eine ausreichende Nährstoffversorgung
 

Kälberdurchfall häufigste Erkrankung

Auch wenn bei der Kälberaufzucht mit größter Sorgfalt gearbeitet wird, sind Erkrankungen dennoch nicht komplett zu vermeiden.
Der Neugeborenendurchfall ist die häufigste und verlustreichste Erkrankung junger Kälber. Es handelt sich dabei in den meisten Fällen um eine multifaktorielle Erkrankung.
Nicht nur die verschiedenen Erreger und der Infektionsdruck spielen eine wichtige Rolle, sondern auch mangelhafte Haltungsbedingungen oder eine reduzierte Abwehrkraft des Kalbes wie beispielsweise durch eine schlechte Biestmilchversorgung.

Neben dem nichtinfektiösen Durchfall, zum Beispiel verursacht durch Stress, eine fehlerhafte Tränketechnik oder einem Fehler in der Tränkehygiene, werden grundsätzlich zwei Arten des infektiösen Durchfalls unterschieden.
Einerseits gibt es die sekretorische Diarrhoe, wobei eine deutlich größere Flüssigkeits-menge in den Darm abgesondert wird als resorbiert werden kann – typisch bei einer Erkrankung durch Escherichia coli – und andererseits eine osmotischen Diarrhoe. 
Dabei wird die Darmwand von den Erregern derart beschädigt, dass Nährstoffe 
nicht mehr hinreichend resorbiert werden können.

Die häufigsten Erreger für diese Arten von Durchfall sind unter anderem:
  • Escherichia coli: Erkrankung in den ersten drei bis fünf Lebenstagen
  • Rotaviren: Erkrankung in den ersten fünf bis 14 Lebenstagen
  • Coronaviren: Erkrankung in den ersten fünf bis 14 Lebenstagen
  • Cryptosporidium parvum: Erkrankung in den ersten fünf bis 28 Lebenstagen



Wann treten Durchfallerreger bei Kälbern auf?


Geburt                                               4 Wochen
 
 

Durchfall bei Kälbern tierspezifisch behandeln

Je nach Abwehrlage des Kalbes und bedingt durch die gute Regenerationsfähigkeit 
des Darmes ist eine Durchfallerkrankung grundsätzlich selbstlimitierend, d.h. sie 
kann von selbst ausheilen
Dennoch kann auch eine Durchfallerkrankung aufgrund der fortschreitenden 
Austrocknung (Dehydratation) und der dadurch entstehenden Verminderung der zirkulierenden Blutmenge (hypovolämische Schock) sowie der Übersäuerung des 
Blutes zum Tod des Kalbes führen.
Die Therapiemaßnahmen bei Durchfallerkrankungen richten sich immer nach dem Allgemeinbefinden des Kalbes, zielen jedoch grundsätzlich auf die Wiederherstellung 
des normalen Flüssigkeitshaushaltes ab (Rehydratation und Elektrolytversorgung).

Die Prophylaxemaßnahmen orientieren sich an den vorher genannten Themen:
  • Biestmilchversorgung (v.a. ausreichende Menge, gute Qualität)
  • Hygiene (u.a. im Abkalbebereich, im Kälberstall)
  • Haltungsbedingungen (u.a. Sauberkeit, frische Einstreu, keine Zugluft)
  • Muttertiervakzine (bzw. rechtzeitige Umstallung zur Ausbildung einer 
    stallspezifischen Immunität)
  • Nährstoffversorgung (u.a. Zusammensetzung der Kälbertränke)
 


Verwendete Literaturquellen:

  • Handbuch Durchfallerkrankungen der Kälber. Apl.-Prof. Dr. Martin Kaske, 
    Dr. Hans-Jürgen Kunz. Kamlage Verlag 2003
  • The Merck Veterinary Manual. Eighth Edition. Merck & Co., Inc. 1998.
  • Innere Medizin und Chirugie des Rindes. Gerrit Dirksen, Hans-Dieter Gründer, Matthaeus Stöber. 5. Auflage. Parey Verlag. 2006

 

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