Fachseminare 2016 am Produktionsstandort Haldensleben

Am 31.05. und 01.06.2016 fanden in Haldensleben bereits zum dritten Mal Fachseminare für Rinder- und Schweinepraktiker statt. Dr. Bernhard Wesseling, Geschäftsführer der Deutschen Vilomix Tierernährung GmbH, konnte an beiden Tagen zahlreiche Gäste in Haldensleben begrüßen. Hierbei betonte er, dass die Entwicklung der Verkaufsmengen in den neuen Bundesländern als Ergebnis einer kundennahen Betreuung vom Standort in Sachsen- Anhalt zu betrachten ist. Dr. Wesseling informierte über geplante Investitionen und verwies auf die kürzlich fertiggestellte Halle zur Lagerung von Einzelkomponenten und Handelsware. Er lud die Gäste ein, im Anschluss an die Seminare einen Blick in die Produktion zu werfen und sich einen eigenen Eindruck von der hohen Qualität der erzeugten Mineralfutter und Vormischungen zu machen. Er übergab die Tagungsleitung an Dr. Andreas Spieler, Teamleiter im Verkaufsgebiet Nord-Ost. Dr. Spieler hob hervor, dass es Anliegen der Seminare sei, in einer für die Landwirtschaft sehr schwierigen Zeit, über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Fütterung, der Tiergesundheit und des Managements zu informieren. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf praxisorientierte Themen gelegt.
 
 

Das Immunsystem spielt bei der Entstehung von Transiterkrankungen eine entscheidende Rolle

Tobias Harms, beratender Tierarzt der Elanco Deutschland GmbH, eröffnete die Vortragsreihe im Rinderbereich und stellte unter dem Namen „ Vital 90 TM Days“ verschiedene Management- Maßnahmen vor, mit denen versucht werden soll, die negative Energiebilanz und die damit einhergehende Immunsuppression in der Transitphase zu minimieren. „Als Indikator einer Immunschwäche kann die Funktion der neutrophilen Granulozyten herangezogen werden“ berichtete Harms erläuterte sehr eindrucksvoll den Einfluss einer erhöhten Cortisolausschüttung in Folge von anhaltendem Stress (Hitze, Überbelegung) auf das Immunsystem. Er verwies darauf, wie wichtig die Optimierung von Umweltfaktoren für die Stabilisierung des Gesundheitsstatus der Herde ist.
 

Optimierte Transitfütterung durch x-Zelit

Lukas Obermeyer referierte als Leiter des Bereiches Rinderfütterung im Hause Vilomix, zu Möglichkeiten der Reduzierung von Transiterkrankungen durch eine Optimierung der Vorbereiterfütterung. Mit dem Produkt X-Zelit, einem spezifischen Ca-Binder, kann in der Praxis eine effektive Milchfieberprophylaxe unter verschiedensten Rationsbedingungen erreicht werden. Neben wissenschaftlichen Versuchen zeigen auch die Erfahrungen zahlreicher Kunden, dass mithilfe dieser effektiven und leicht umzusetzenden Maßnahme nicht nur die Häufigkeit von Festliegern, sondern auch die Behandlungen im peripartalen Zeitraum deutlich verringert werden.  (Link zu Themen zur Tierernährung)
 

Neue Fütterungsstrategien im Kälberbereich

Die Ergebnisse ihrer Bachelor- Arbeit präsentierte Carolin Schneider, tätig im Außendienst der Deutschen Vilomix. Unter dem Motto „ Nur ein gesundes, vitales Kalb kann eine gute Kuh werden“ erläuterte sie die Grundlagen der Kälberaufzucht und konnte aus den eigenen Untersuchungen überzeugend den Vorteil der Kälber Trocken TMR gegenüber herkömmlichen Fütterungskonzepten herausstellen. Neben dem verbesserten Zunahme Niveau, wiesen die Kälber der Versuchsgruppe einen deutlich stabileren Gesundheitsstatus auf.
Im Anschluss erläuterte sie das umfassende Kälberaufzucht-Programm der Vilomix. Neben Kälbermilch, Elektrolyttränken und Kälbermüsli stellte sie auch Spezialprodukte zur Stabilisierung der Magen-Darm- und Lungenfunktion vor. (RoCoSal, Resposan Atem frei)
 

Q-Check: Kleine Stichprobe – große Wirkung

Mit großer Aufmerksamkeit wurde der Vortrag von Dr. Carola Wolf verfolgt. Als Fachtierärztin für klinische Laboratoriumsdiagnostik ist sie für die synlab Holding tätig. Sie stellte sehr eindrucksvoll die Möglichkeiten der modernen Stoffwechseldiagnostik in Hochleistungsherden dar. Sie verwies an Hand von Praxisbeispielen auf die Vielzahl der Fehler, die von der Probennahme bis zum Versand gemacht werden und letztendlich zu Fehlinterpretationen der Befunde führen können. Aktuell werden unter dem Namen Q-Check verschiedene Untersuchungsprofile angeboten, die auf die häufigsten Stoffwechselprobleme zugeschnitten sind.
 
 

Arbeitsorganisation und Zeitmanagement

Zum Abschluss des Rinderseminares erläuterte Dr. Jürgen Rothert von der agro prax Gesellschaft die Rolle von Arbeitsorganisation und Zeitmanagement im Milchviehbetrieb. Agro prax ist mit 22 Tierärzten in neun Bundesländern tätig und betreut ca. 84.000 Milchkühe. Neben dem tiermedizinischen Bereich wird versucht, in den Betrieben einen regelnden Einfluss auf die innerbetriebliche Organisation zu nehmen. Eine höhere Arbeitseffizienz soll durch eindeutige Zuständigkeiten der Mitarbeiter erreicht werden. „Neben Kostenreduktionen ist es so auch möglich, das Leistungspotential gesunder Kühe besser zu nutzen“, lautet das Fazit des Tierarztes.


Streptokokken – ein immer wiederkehrendes Problem in Schweinebeständen

Das Seminar für Schweinepraktiker wurde von Prof. Christoph Baums von der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig mit einem Vortrag zur zeitgemäßen Diagnostik und Prophylaxe von Streptococcus suis Erkrankungen eröffnet. In seinen sehr interessanten Ausführungen erläuterte er die Schwierigkeiten, die bei der Herstellung von stallspezifischen Impfstoffen auftreten können. Er ging im Weiteren auf die Klinik der unterschiedlichen Serotypen ein und wies darauf hin, dass es für den betroffenen Betrieb von größter Wichtigkeit sei, begünstigende Faktoren zu beseitigen. Er erinnerte in diesem Zusammenhang u.a. an hohe Belegdichten im Flatdeck und an Infektionskrankheiten wie die PRRS.

Zukunftsorientierte Fütterungskonzepte in der Schweinemast aus dem Hause Vilomix

Versuche zur Proteinreduzierten Fütterung im Mastbereich stellte Dr. Joachim Dreyer, Mitarbeiter im Außendienst der Deutschen Vilomix, vor. In hauseigenen Versuchsanstellungen war das Zusammenspiel von Enzymen, Vitaminen und Aminosäuren als Basis einer gezielten Proteinabsenkung im sogenannten EVA-Konzept getestet worden. Bei unveränderten Mast- und Schlachtleistungen konnten die Futterkosten deutlich gesenkt werden.
Ein weiterer Versuch unterstrich die Bedeutung pflanzlicher Zusätze zur Optimierung biologischer Leistungen. Durch den Zusatz des Produktes Vilo- Kräuteraroma konnte nicht nur eine höhere Tageszunahme, sondern auch eine verbesserte Ausschlachtung erzielt werden. Der Mehrerlös pro Mastschwein betrug in der Versuchsgruppe 2.80 Euro.
(Link auf die Versuchsergebnisse).


Kleine Ferkel – viele Tiersignale

Mirjam Lechner, Fachberaterin der UEG Hohenlohe, sensibilisierte die Zuhörer im Stall doch nachdrücklicher auf die von den Saugferkeln ausgesendeten Tiersignale zu achten. „Diese Signale sind als Spiegelbild der Stoffwechsellage der Sau zu werten“ stellte Frau Lechner fest. Mit überzeugenden Fotos und Videosequenzen unterstrich sie die Zusammenhänge zwischen der Versorgung der Sau und möglichen Toxinwirkungen am Saugferkel. An Praxisbeispielen zum Thema Schwanznekrosen und Klauenveränderungen wurden Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen es gelungen war, klinische Erscheinungen im Saugferkelbereich zu minimieren.
 
 
 

Ökonomische Kennzahlen – wo liegen die Reserven

Mit der Frage nach möglichen ökonomischen Reserven in der Schweinehaltung beschäftigte sich Thomas Hiebert von der H.CB Spezialberatung. Er machte deutlich, dass es künftig schwer sei, die zunehmenden Forderungen an die Haltung der Tiere im Erlös einzupreisen. „Die Chance einer Erlössteigerung kann nur realisiert werden, wenn die hohen Produktanforderungen in den Preis einfließen“ mahnte Hiebert und stellte weiter fest, dass die Qualität des Lebensmittels Schwein vom Endverbraucher honoriert werden müsse.
 
 

Künftige Vermarktungsstrategien

Als Vertreter der Tönnies Livestock GmbH erörterte Norbert Möller die Frage nach künftigen Vermarktungsstrategien aus Sicht der Firma Tönnies. Als Branchenprimus stand die Firma Tönnies auch im Jahr 2015 mit 16,2 Millionen geschlachteten Schweine deutlich an der Spitze der Schlachtunternehmen. Mit der Gründung eines eigenen Viehhandels wurde nach Aussagen Möllers das Ziel verfolgt, eine bessere Vernetzung der Kette vom Ferkelerzeuger bis zum Verarbeitungsunternehmen zu ermöglichen. Eine Art Lohnmast, wie sie aus den Integrationen im Geflügelbereich bekannt ist, sei nach dem heutigen Stand nicht vorgesehen betonte Möller. Es sei aber im Sinne der Tönnies Livestock GmbH auf Wunsch auch Unterstützung in Fragen der Genetik, der Tiergesundheit und Fütterung anzubieten.

Im Anschluss an die angeregte Diskussion bedankten sich die Geschäftsleitung und das Außendienstteam der Deutschen Vilomix bei den Teilnehmern und versicherten auch künftig Praktikerseminare im Rinder- und Schweinebereich anzubieten.