Praktische Bedeutung der Rohfaserfraktionierung in der Schweinefütterung

Können sich Rohfaserfraktionen positiv auf die Gesundheit des Schweins auswirken?

 
Ähnlich wie im Wiederkäuerbereich spielen die Rohfaserfraktionen ADF
(Acid Detergent Fibre), NDF (Neutral Detergent Fibre) oder BFS (Bakteriell fermentierbare Substanz) eine immer größere Rolle auch in der Schweinefütterung.
Das liegt unter anderem daran, dass bestimmten Faserfraktionen positive nutritive und tiergesundheitliche Effekte zugesprochen werden und einige zurzeit aktuelle Probleme wie Ohrrandnekrosen und Schwanzbeißen im Zusammenhang mit einer mangelnden Rohfaserversorgung diskutiert werden. So scheint bei diesen Krankheitsbildern das Verfüttern bestimmter Rohfaserquellen wie Luzerne, Luzernegrünmehl, Apfeltrester oder Palmkernschrot neben einer verbesserten Trinkwasserzufuhr zumindest teilweise wirkungsvolle Ansätze zu bergen.
 

Schutz des Darms spielt wichtige Rolle

 
Auch bei der Sauenfütterung gewinnt die qualitative Bewertung der Faserträger immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt durch die Verknüpfung eines satten, zufriedenen Tieres mit dem Aspekt Tierwohl. Schon jetzt wird nach Vorgabe der Schweinehaltungs-VO 7% Rohfaser (bei 88%TS) bei tragenden Sauen gefordert oder alternativ 200g Rauhfuttergabe pro Tier und Tag. Neben der angesprochenen räumlichen Füllung des Magen-Darm-Traktes und der daraus resultierenden Sättigung hat eine ausgewogene Kombination verschiedener Rohfaserträger viele weitere diätetische Effekte.
 
Bereits in der Maulhöhle und auch im weiteren Verlauf wird die Enzym- und Hormonproduktion angekurbelt, die Sekretion der Verdauungssäfte gefördert, die Schichtung des Mageninhaltes verbessert sowie die Bildung des wichtigen Schutzfilmes der Darmschleimhaut angeregt. Durch eine agilere Peristaltik und einer faserbedingten erhöhten Wasserbindungskapazität des Darminhaltes wird selbiger nicht nur schneller bewegt, sondern es werden auch jegliche Toxine sowie schädliche Keime zeitnah nach draußen befördert.

Abbildung: Was ist NDF?
 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 
 

 

 
 

 

 

 

Menge und Verhältnis der einzelnen Faserfraktionen ist entscheidend


Entscheidend für die verschiedenen positiven Wirkungen der Rohfaser, die letztendlich den Gehalt an schwerverdaulichen Kohlenhydraten umfasst, ist nun nicht nur die absolute Menge bestimmter Faserträger, sondern vielmehr wie diese in sich, die verschiedenen Faserfraktionen betreffend, zusammengesetzt sind.
Bestimmte Faserkomponenten bilden beispielsweise als Substrat durch bakterielle Fermentierung eine unterstützende Funktion für die bedeutungsvolle Hauptflora des Darmes, und die dabei entstehenden flüchtigen Fettsäuren dienen nicht nur als Energiequelle, sondern wirken ebenso pH-Wert absenkend, Immunsystem stimulierend sowie Stoffwechselmodulierend. Andere Faserbestandteile wiederum sind für das Schwein und dessen mikrobiellen Magen-Darm-Bevölkerung nur äußerst schlecht oder überhaupt nicht verdaulich, zeichnen sich aber durch eine hohe Wasserbindungskapazität und Sättigungsfähigkeit aus.

Da es bislang für die Tierart Schwein keine langfristig verifizierten Erfahrungswerte für die qualitative Bewertung der einzelnen Faserkomponenten gibt, werden von verschiedenen Seiten Ansätze zu entsprechenden Zusammenhängen gesucht. Grundsätzlich wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem sogenannten extrazellulären Anteil schwer verdaulicher Kohlenhydrate (NDF) und dem darunter zu findenden, für das Schwein nahezu gar nicht verdaubaren Faseranteil (ADF) angestrebt.

Tabelle 1: Anforderungen bei Sauen und Mastschweinen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 

Richtige Wahl der Rohfaser ist wichtig

 
Grundsätzlich gilt bei der Beurteilung zu beachten, dass es sich hierbei um die Erhebung bestimmter Tendenzen handelt. Bei der NDF/ADF-Faserbewertung bleiben die Nicht-Stärke-Polysacharide aus dem Zellinneren der Pflanzen unberücksichtigt, welche dafür unter der Faserklassifizierung BFS zu finden sind. Bei der BFS (bakteriell fermentierbare Substanz), die die verdauliche Rohfaser + verdaulichen stickstoffreien Extraktsoffe abzüglich Zucker und Stärke umfasst, bleibt wiederum einzuwenden, dass diese auch für das Schwein minimal bzw. gar nicht verfügbare Faseranteile beinhaltet, sodass hier korrekterweise ADF vollständig abgezogen werden müsste.

Dass der Inhaltsstoff Rohfaser einen entscheidenden Effekt auf die Magen-Darm-Flora und somit auch auf Gesundheit und biologische Leistung hat, steht außer Frage. Ob die Parameter ADF/NDF für die qualitative sowie quantitative Beurteilung dieses Effektes adäquate Orientierungswerte werden können, wird sich herausstellen.

Tabelle 2: ADF/NDF Gehalte verschiedener Rohfaserträger?


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fehlversorgung bei "Hochleistungssportlern" Schwein vermeiden

 

In der Praxis haben all diese Zusammenhänge für Schweine haltende Betriebe, insbesondere Ferkelerzeuger, nicht nur verpflichtende Konsequenzen, wie zum Beispiel der Bereitstellung eines entsprechenden Rohfaseranteils in der Ration für tragende Sauen. Vielmehr sollte auch aus tiergesundheitlichen und ökonomischen Aspekten der bisher teilweise recht stiefmütterlich behandelte Inhaltsstoff Rohfaser qualitativ mehr Beachtung erhalten. Das heutige Schwein und seine Magen-Darm-Flora sind wahre Hochleistungssportler, die bei der kleinsten Fehlversorgung nicht ihr volles genetisches Potential abrufen können und in den jetzigen wirtschaftlich und sozialpolitisch recht angespannten Zeiten dementsprechend schnell rote Deckungsbeiträge schreiben. Durch die aktuelle Antibiotika-Diskussion gestaltet es sich auch immer schwieriger, Mängel in Management, Haltung und Fütterung mit Hilfe von Arzneimitteln zu korrigieren.

Neben einer bedarfsgerechten Energie- und Eiweißversorgung gilt es somit auch einige weitere Rahmenbedingungen bei der Gestaltung ausgewogener Rationen zu beachten, maßgerecht zugeschnitten auf das entsprechende Alter, den Produktionsstatus, das Leistungsniveau und auch die Genetik.
 

Faserträger auf betriebliche Situation abstimmen

 
So können z.B. Rezepturen für Sauen auf Basis NDF/ADF-Forderungen deutlich von Futter-konzeptionen abweichen, die auf einen bestimmten sogenannten DCAB-Wert (Basis Säure-Basen-Haushalt) abgestimmt wurden. Hier entscheidet die betriebliche Situation, welcher Ansatz zu wählen ist. Besonders für selbstmischende Betriebe stellt die Zugabe von Faserträgern häufig ein Problem dar, auch für diesen Bedarf gibt es mittlerweile einige in Frage kommende Produkte, deren Einsatz auf die weiteren in der Mischung eingesetzten Komponenten abgestimmt werden sollte.


Gerne beraten Sie unsere Fachberater vor Ort bei ihren individuellen Futterkonzepten.
Auf Wunsch erstellen wir auch gerne ein individuelles Konzept für Fasermix-Mischungen, angepasst an die Anforderungen ihres Betriebes!

Unsere Produktempfehlungen:

  • Olimex 50, ein Leinsamen-Mais-Extrudat, welches die Darmgesundheit fördert
  • Vilocell 500, ein hochquellendes Rohfaserkonzentrat für Zuchtsauen - für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl
 
 
Autorin:
dr. med. vet. (Univ.Budapest) Cornelia Becker
Beratung Schwein
 
Telefon: 05493 9870-41
Telefax: 05493 9879-40

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