26. und 27. Oktober 2011

Seminar „Klauengesundheit und Produktivität bei Zuchtsauen“

 
 Am 26. und 27. Oktober 2011 fand das Seminar „Klauengesundheit und Produktivität bei Zuchtsauen“ statt. Der Einladung durch die Deutsche Vilomix aus Neuenkirchen und der Firma Zinpro aus den USA folgten rund 50 Teilnehmer. Die Firma Deutsche Vilomix stellt Vormischungen und Mineralstoffe für alle Tierarten her, die Firma Zinpro (www.zinpro.com) ist Hersteller von organisch gebundenen Spurenelementen, welche unter den Namen Availamins vermarktet werden.

Am ersten Seminartag wurde in Vorträgen der Zusammenhang zwischen der Leistungsfähigkeit 
von Sauen und der Klauenstabilität dargestellt, um diesen am folgenden Tag durch Praxisübungen im VIC Sterksel zu veranschaulichen. Dies sahen die teilnehmenden Personen aus der Mischfutterindustrie und Beratung sowie Landwirtschaft als besonderen Vorteil der Veranstaltung an.

Klauenprobleme bei Zuchtsauen werden zunehmen

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten Jan van der Meer, Zinpro Europe und Dr. Bernhard Wesseling, Deutsche Vilomix die Anwesenden. Dabei stellte Dr. Wesseling in den Raum, dass die Klauenprobleme bei den Sauen in den nächsten Jahren steigen könnten, diese jedoch viele Ursachen wie z.B. eine weitere Leistungssteigerungen haben. Damit übergab Dr. Wesseling das Wort an Jan van der Meer, der die Frage erläuterte, warum gesunde Fundamente für die Produktivität und Lebensleistung wichtig sind.
Dabei machte Herr van der Meer deutlich, dass beim Aufstehen und Ablegen die Sauen das Gewicht kurzzeitig auf einem Hinterbein trägt. Durch Schmerzen im Fundament wird die Bereitschaft zum Aufstehen bzw. Ablegen deutlich reduziert, wodurch wiederum die Futteraufnahme sinkt und dadurch die Körperkondition abnimmt. Daraus ergeben sich weitere Folgen: aufgelegene Schultern, hormonelle Störungen, schlechte Fruchtbarkeit, keine Rausche und daraus resultierend ein frühzeitiger Abgang der Sauen aus der Herde. Die Schmerzen der Tiere haben ebenfalls zur Folge, dass die Sauen weniger beweglich sind und somit es zu einem Anstieg der Anzahl erdrückter Ferkel kommt. Zusätzlich kommt es zu erhöhtem Arbeitsaufwand durch lahmende Sauen.

Nährstoffversorgung entscheidet über Klauengesundheit und Fruchtbarkeit

Eine ausgeglichene Nährstoffversorgung der Sauen ist eine Grundvoraussetzung für gesunde Klauen, begann im Anschluss Dr. Christof Rapp, Zinpro seinen Vortrag. In seinen Ausführungen ging Dr. Rapp auf die Auswirkungen von Klauenentzündungen auf die Immunabwehr und Fruchtbarkeit ein.
 
Als Erstes werden die aufgenommenen Nährstoffe für die Erhaltung benötigt. Danach folgen Laktation, Wachstum und Fortpflanzung. Ein wichtiger Punkt ist, dass durch Entzündungen Nährstoffe verbraucht werden, die ansonsten für andere Prozesse wie Wachstum in der Schweinemast oder die Laktation bei den säugenden Sauen zur Verfügung stehen. Aber auch für die Fortpflanzung fehlen die bei Entzündungen verbrauchten Nährstoffe.
Außerdem führt der entstehende Stress zur Umprogrammierung des Stoffwechsels. Bei Stress durch Überbelegung, ungünstige Haltungsbedingungen, Schmerzen durch Lahmheit, MMA usw. programmiert sich die Versorgung mit Nährstoffen auf Erhaltung plus Selbstschutz. Damit werden die Prozesse Wachstum und Laktation nicht mehr ausreichend versorgt.
Die Menge an aufgezogenen Ferkeln hat ebenfalls einen Einfluss auf die Versorgung der Sau. Bei hochproduktiven Sauen wird eine ausreichende Versorgung durch die Fütterung zunehmend schwieriger, weil die Futteraufnahmemenge begrenzt ist. Lahmheit führt dazu, dass weniger Futter aufgenommen wird.
Durch die Senkung und Vorbeuge von Klauenverletzungen und demzufolge weniger Entzündungen an den Klauen und der Senkung von Stressfaktoren stehen mehr Nährstoffe für die Laktation, Wachstum oder Fortpflanzung sowie die Hornbildung zur Verfügung.

Fütterungsfehler bei Jungsauen vermeiden

Gruppenfoto Klauen-Seminar in Sterksel

Dr. Arndt Schäfer erläuterte in seinem Vortrag die Fütterungsempfehlungen und gab Rationsbeispiele für Sauen und Jungsauen, um Klauenprobleme zu senken. Dabei machte Dr. Schäfer deutlich, dass die Fütterung bei der Eingliederung und die Haltungsbedingungen der Jungsauen Auswirkungen auf die Klauengesundheit der Sauen haben.
 
Bei der Fütterung der Sauen kommt es auf eine ausgeglichene Fütterung an. Dabei ist die Menge aber auch die Verhältnisse beispielsweise der Spurenelemente zueinander entscheidend, um eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen. Jedoch dürfen diese Spurenelemente im Futter die futtermittelrechtlichen Grenzwerte nicht überschreiten. Die Verwertung von Spurenelementen wie Zink, Kupfer und Mangan kann durch den Einsatz spezieller organisch gebundener Spurenelemente Availa Sow gesteigert werden. Dazu empfahl Dr. Arndt Schäfer das Konzept VILOMIN® Klauen-Stabil, da dort die grundlegenden Erkenntnisse zur Stabilisierung der Klauengesundheit umgesetzt werden.
Insbesondere die Spurenelemente in organisch gebundener Form wie Zink, Kupfer und Mangan sind für den Aufbau und den Erhalt der Klauen wichtig.
  • Mangan für gesunde Gelenke, Bänder und Knochen
  • Zink für gute Hornbildung und Wundheilung
  • Kupfer für belastbares Bindegewebe
  • Zink/Kupfer für Stärke und Elastizität von Sohlen, Ballen und Horn

Ein weiterer Faktor vorzeitiger Abgänge von Sauen durch Lahmheiten zu vermeiden ist, wenn beim Zukauf der Jungsauen nicht nur auf gute Reproduktionsleistungen geachtet wird, sondern auch auf die Beinstellung und die Klauengesundheit. Ein schlechtes Fundament in der Jugend lässt sich im Alter nicht mehr ausgleichen.


Im Folgenden sind Ursachen von Klauenschäden bei Sauen erläutert:

  • Genetik: vererbte Fehlstellungen und schlechte Klauenhornfestigkeit
  • Management/Haltung: Bodenbeschaffenheit (z.B. scharfe Kanten, 
    zu weite Spaltenbreiten), Bodenzustand (z.B. Nässe), Überbelegung, 
    fehlende Klauenpflege, Fütterungssystem
  • Erkrankungen: Streptokokken, Mycoplasmen (Gelenkvariante), 
    Rotlauf oder Glässersche Krankheit
  • Fütterung: bereits in der Aufzucht können durch eine unangepasste 
    Fütterung Vorschädigungen entstehen


Klauengesundheit "Feed First Project" in Spanien

Am Abend des ersten Tages stellte Paco Fernandez, Zinpro Spanien, die spanische Schweinehaltung vor und Ergebnisse des „Feet First Projects“ in Spanien. Dabei konnte auch die Verbesserung der Klauen und somit der Gesundheit und Produktivität der Sauen durch den Einsatz der organisch gebundenen Spurenelemente wie Awaila Sow nachgewiesen werden.
Weiterhin stellte Herr Fernandez die Besonderheiten des spanischen Marktes da, so werden die meisten Schweine in Kooperationen gehalten. Diese haben bis zu 165.000 Sauen. Dabei wird alles durch die Kooperationen geregelt, vom Futter bis zur Schlachtung und dem Verkauf der Schweine.
 

pratische Klauenbeurteilung im VIC in Sterksel

Klauenbeurteilung bei SauenAm zweiten Tag ging es zum Schweine Innovations Zentrum in Sterksel (VIC Sterksel, Niederlande). Dort stellte die Leiterin Anita Hoofs das Versuchszentrum, das ohne staatliche Förderungen betrieben wird, vor. Das Versuchszentrum hält 300 Sauen im geschlossenen System. Die Finanzierung der Versuchsanstalt wird alleinig durch Vorträge, Fortbildung und Versuche gesichert. Die Versuche müssen die Futtermittelunternehmen, Stalltechnikhersteller oder Landwirte bezahlen, die diese in Auftrag geben. Auch der Staat oder der niederländischen Bauernverband geben in Sterksel Untersuchungen in Auftrag.

Schweinehalter müssen Kontaktstrukturen durchbrechen

Ein besonderer Aspekt mit dem sich auch in Sterksel zurzeit beschäftigt wird, ist die Vorgabe 
den Antibiotikaeinsatz in den Niederlanden bis 2013 um 50% zu reduzieren. Die Berechnung des Antibiotikaeinsatzes bei den Sauen, Ferkeln und Mastschweinen wird hierbei als die Menge wirksamen Antibiotikas auf die Sau umgerechnet.
Ein erster Ansatz, um den Antibiotikaeinsatz zu senken, der in Sterksel untersucht wird, ist die Kontaktstrukturen zu durchbrechen. Die Kontakte von Tier zu Tier, Tier – Gülle - Tier, Tier – Material – Tier, Tier – Luft – Tier, Tier – Mensch – Tier sollen vermindert werden, um das Infektionsrisiko zu senken.

Weiterhin werden in dem Schweine Innovations Zentrum in Sterksel derzeit z.B. Untersuchung zur Gruppenhaltung durchgeführt und Abferkelboxen mit mehr Bewegungsraum für die Sauen getestet. Eine andere aktuelle Untersuchung befasst sich mit dem Anlernen von Sozialverhalten, damit die Sauen in der Gruppenhaltung besser zurechtkommen. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Gruppenhaltung sind, nach Meinung von Frau Hoofs, das Management. Hierunter zählt eine tiergerechte Fütterung, sowie der Trächtigkeitszeitraum und die Jungsauenaufzucht.


Im letzten Teil des Seminars wurden allen Teilnehmern in einem speziellen Klauenpflegestand 
für Sauen die unterschiedlichen Klauenprobleme und –ausprägungen gezeigt. 
Dabei gibt es folgende Unterscheidungen, die in drei Kategorien leicht (1), schwer (2) und
sehr schwer (3) unterteilt sind:
  • Ballenwucherungen
  • Ballenrisse 
  • Risse im Übergang von Ballen zur Sohle
  • Risse an der weißen Linie
  • Wandriss waagerecht
  • Wandriss senkrecht
  • Zu lange Zehen
  • Zu lange/abgerissene Afterklaue

Dazu wurden die Sauen der Versuchsanstalt in den Klauenstand gebracht und mit einer Klauenbeurteilungshilfe bewertet. Zudem wurde die Klauenpflege praktisch demonstriert. Dabei sollten die Klauen so gekürzt werden, dass diese vom Klauensaum bis zur Sohle
50 mm lang sind und die Afterklaue vom Klauensaum bis zur Sohle 30 mm Länge haben.
 
 

Fazit:

• Fundamentprobleme haben viele Ursachen und können bereits in der 
  Jungsauenaufzucht verursacht werden 
• Folgen der Lahmheit beginnen bei Schmerzen der Klauen und verringerte 
  Futteraufnahme und führt im schlimmsten Fall zum Abgang der Sau
• Ursachen liegen in der Genetik, Management/Haltung, Erkrankungen und 
  Fütterung
• Spurenelemente Kupfer, Zink und Mangan u.a. in organisch gebundener Form wie in 
  Klauen-Stabil sind für den Aufbau und Erhalt der Klaue wichtig
• Ausreichende Versorgung der Sauen ist sehr wichtig, um die Produktivität nicht 
  zu gefährden und die Klauengesundheit erhalten
• Klauenpflege kann die Lahmheiten der Sauen wieder beseitigen
• Klauenbeurteilung zur Feststellung der Gesundheit der Klauen sollte in 
  regelmäßigen Abständen auf den Betrieben durchgeführt werden.

 
Produktinfos Vilomix® Klauen-Stabil www.vilomix.com/klauen-stabil
 
Veranstalter des Seminars:
Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH
Bahnhofstr. 30
49434 Neuenkirchen-Vörden
Tel.: +49 (5493) 98 70 0
www.vilomix.com

Zinpro Performance Minerals
Akkerdistel 2E
NL-5831 PJ Boxmeer
Tel: + 31 6 224 63 808
www.zinpro.com
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Bilderserie zur Veranstaltung